Wir hatten es ja angekündigt – nachdem unsere Kunden, Freunde, Geschäftspartner und Guides sich die Mühe gemacht und auf unsere Fragen geantwortet haben, stellen wir uns jetzt auch ein paar genaueren Nachfragen.
Im ersten Interview erzähle ich, Ireen, über die Entstehungsgeschichte von MEXICO MIO. Dabei fließen natürlich viele persönliche Erlebnisse, die ich schon in Mexiko gemacht habe, in meine Antworten mit ein. Ich hoffe, das Interview ist spannend zu lesen und steckt euch vielleicht ein bisschen mit meiner Begeisterung für unser „Mexico lindo“ an… Viel Spaß beim Lesen!

Das Interview mit dir soll die Gründungsgeschichte und die letzten  zwei Geschäftsjahre von MEXICO MIO beleuchten. Fangen wir also am besten beim „Urknall“ an: Wann und wo bist du geboren?

Ireen in SchwedtIch wurde am 7. Februar 1980 in Schwedt / Oder geboren. Das liegt in Brandenburg an der polnischen Grenze und ich war schon ewig nicht mehr dort. Ist eine typische DDR-Arbeiter-Stadt, die vor allem durch den Bau des PCK (Erdölverarbeitungswerk) in den sechziger Jahren geprägt wurde. Viele junge Leute fanden hier Arbeit und eine Wohnung in „wunderschönen“ Plattenbauten mit Stahlbetonwänden. Nach der Wende zogen die Leute, die noch einen Job hatten in Eigenheimsiedlungen am Waldrand oder in die nahe gelegenen Dörfer und viele der Betonblöcke mussten der Abrissbirne weichen. Das gesamte Stadtbild hat sich also total verändert und abgesehen von der idyllischen Lage am Rande des Nationalparks „Unteres Odertal“ kann ich meiner alten Heimatstadt nicht so viel abgewinnen.

Erinnerst du dich noch, wann und wie du das erste Mal mit Mexiko in Berührung gekommen bist?

Coyoacan 1999Ja klar. Meine Oma, väterlicherseits, hat immer sehr von Mexiko geschwärmt, da Ihre Schwester in den Fünfziger Jahren nach Mexiko ausgewandert ist und irgendwie hat sie es schon zu DDR-Zeiten zweimal geschafft, dorthin zu fliegen. 1999 war es dann auch für mich soweit. Das Abitur in der Tasche und noch keine richtige Lust aufs Studium schlug meine Großtante, die ich bisher nur flüchtig vom Telefon kannte, vor, sie in Mexiko zu besuchen und die ganze „Familia Mexicana“ kennenzulernen. Und so flog ich dann für 3 Monate rüber. Es war eine wunderschöne, prägende Zeit, die ich nie missen möchte.

Dann hast du Tourismuswirtschaft studiert und auch Marlen getroffen. Habt ihr damals schon geplant, mal eine eigene Reiseagentur zu gründen?

Marlen und ich in WHVDas mit dem Tourismusstudium hatte ich mir während der Zeit in Mexiko überlegt, denn nach meinem ersten Besuch stand fest, dass ich da bald wieder hin muss und so war’s ja dann auch. Marlen hab ich im 2. Semester kennengelernt und wir hatten eine tolle Zeit in Wilhelmshaven, in der wir mehr über alternative Ausgehmöglichkeiten als über unsere Zukunft nachgedacht haben. Es gab ja schon im Studium so Leute, die ihr Leben bereits für die nächsten 30 Jahre geplant hatten – was auf uns eher nicht zutraf. Und dass wir irgendwann unser eigenes Unternehmen gründen, da hätten wir damals im  Traum nicht dran gedacht.

Wie ist der Name „MEXICO MIO“ entstanden?

Mit dem Namen hatte ich eines Nachts so eine Eingebung. Wir hatten uns schon über alle möglichen Namen den Kopf zerbrochen und sowas wie „Amiga Tours“ im Auge und dann wachte ich in der besagten Nacht auf und fand „Mexico Mio“ ganz toll. Hab dann sofort den Rechner hochgefahren und geschaut ob die Domain noch frei ist und bin dann glücklich wieder eingeschlafen. Marlen fand den Namen auch sofort toll und MEXICO MIO war geboren.

Erinnerst du dich noch an euren ersten Kunden? Und wohin ging für ihn die Reise?

Maya ZeremonieUnseren ersten Kunden hatte Marlen an Land gezogen. Sie arbeitete anfangs noch ein paar Stunden nebenher bei einem Veranstalter für Aktivtouren. Unsere späteren Kunden interessierten sich für eine ganz spezielle Haciendatour durch Mexiko und da man ihm dort nicht weiter helfen konnte kam MEXICO MIO ins Spiel. Es entstand eine Geschäftsreise zu den schönsten Haciendas Mexikos, da man sich Ideen und Inspirationen zur Errichtung einer Saunalandschaft im Haciendastil holen wollte. Im ersten Teil übernachteten die Kunden in wundervollen Haciendas auf der Halbinsel Yucatán. Mit privatem Guide entdeckten sie geheimnissvolle Ausgrabungsstätten und nahmen an einer Maya Zeremonie teil. Per Inlandsflug ging es dann nach Mexico City um die Haciendas im kolonialen Hochland zu besuchen und voller neuer Eindrücke zurück nach Deutschland.

Wenn du zurückschaust: Welcher ist bisher euer größter Geschäftserfolg und was musstet ihr unter „Misserfolg“ verbuchen?

Marlen und Ireen im BüroFür mich ist unser größter Geschäftserfolg, dass wir jeden Tag ins Büro kommen und Spaß an der Arbeit haben, da wir uns einen Traum verwirklicht haben. Sooo…ich habe jetzt angestrengt über einen Misserfolg nachgedacht aber außer der über uns eingebrochenen Schweinegrippepanik fällt mir nichts ein. Das Jahr 2009 hat super angefangen und Ende April gab es dann natürlich so einige Stornierungen von Kunden die Angst vor der Schweinegrippe hatten. Vor allem für eine große Gruppe von Studenten (18 PAX) tat es mir sehr leid. Ihre Studienreise sollte Anfang Mai stattfinden, die Uni kam für Unterkunft etc. auf und die Flüge buchten die Studenten selbständig. Da die Hotels in Mexiko sehr kulant reagierten konnte ich die Hotelkosten zurück erstatten, die meisten Studenten blieben jedoch auf den Flugkosten „sitzen“.

Welche besonderen Ereignisse der letzten zwei Jahre sind dir außerdem im Gedächtnis geblieben?

mexico_mioUm mal chronologisch vorzugehen: Natürlich der Tag unserer Gewerbeanmeldung. Am 23.08.2007 entschlossen wir uns spontan die „Heinrich & Schumann GbR“ anzumelden. Es war kurz vor 17 Uhr und wir ziemlich knapp dran, aber der 23. August sollte unser Geburtstag werden und die Formalitäten wurden fix erledigt.
Ach ja… was noch vorher feststand und sich unheimlich toll anfühlte war, das MEXICO MIO Logo zum ersten Mal auf Visitenkarten, Homepage und Briefpapier zu sehen. Vielen Dank liebe Anna!

Dann kam im Oktober 2007 die erste Anfrage über die Homepage. Wir hatten den ganzen Sommer über die Seite mit Inhalten befüllt und waren von früh bis spät im Büro und als dann die erste Mexiko Rundreise Anfrage eintrudelte waren wir sehr stolz, glücklich und das Ereignis wurde natürlich gebührend gefeiert.

Acapulco Tourismusmesse 2008Schön fand ich auch den ersten Besuch auf der ITB mal nicht als Student sondern Mexiko Fachbesucher und dann im April 2008 die 1. Geschäftsreise nach Mexiko zur Tourismusmesse nach Acapulco und anschließender Rundreise quer durchs Land. Die 3 Wochen waren unheimlich intensiv und ich habe viele Orte in Mexiko kennengelernt, die ich bis dato noch nicht kannte.
San Miguel mit Sabine & RalfBesonderes Highlight war auch, dass wir am Ende Kunden von uns, die eine Kolonialtour mit Privatguide gebucht hatten, in San Miguel de Allende überraschten um mit ihnen einen lustigen Nachmittag mit Reiseerlebnissen und Mariachis zu verbringen. Dann kamen noch viele schöne Sachen wie der Besuch des Streichorchesters aus Puebla, das Mexiko Fest in Leipzig … und Ende des Jahres ging unsere Homepage in neuem Design an den Start. Da fühlt man sich schon ganz schön stolz. Worauf ich mich in diesem Jahr noch ganz besonders freue ist die Reise nach Costa Rica !!!

Ihr seid beide schon mehrfach in Mexiko gewesen und habt sogar schon für längere Zeit dort gelebt. Was war das schönste und das unangenehmste Urlaubserlebnis in Mexiko?

Anflug Mexico CityOh Gott, das ist nicht einfach nur eine (positive) Sache zu nennen. Beim ersten Mal fand ich es durchweg aufregend und ich glaube ich bin die ganzen 3 Monate mit Kribbeln im Bauch rumgelaufen weil: so viele neue Eindrücke, das Kennenlernen meiner mexikanischen Verwandschaft, lustige Begebenheiten mit neuen Freunden und dann der Abschied – das war definitiv das Schlimmste und fing schon 2 Wochen vor Abflug an, dass ich andauernd geheult habe, wenn ich an den Rückflug dachte.
Beim 2. Besuch war es natürlich die Wiedersehensfreude am Anfang, dann habe ich für 5 Monate in Veracruz gelebt und im Hotel gearbeitet. Der Anfang war schwer, da mein Spanisch nach einem Basiskurs noch nicht wirklich ausgereift war und nach 3 Monaten konnte ich mich dann endlich über die üblichen „Wie heißt du? Woher kommst du? Und was machst du so?“ Fragen hinaus unterhalten. Das war sehr schön.
Puerto Escondido 2002Ein im Nachhinein abenteuerliches, schönes aber zu dem Zeitpunkt unangenehmes Erlebnis war meine Rückreise von Puerto Escondido (Pazifikküste Oaxaca) nach Veracruz. Ich war mit einem Freund unterwegs und am letzten Tag wurde ihm die Geldbörse geklaut. Ich hatte leider auch nicht mehr genug und die blöde EC Karte funktionierte an keinem Geldautomaten – tja, da blieb uns nichts weiter übrig als zu trampen. Am Anfang war es ja noch ganz lustig, aber als es dann dunkel wurde und wir an einer staubigen Strasse im Nirgendwo den Daumen hoch hielten, war die Abenteuerlust purer Angst gewichen. Man konnte halt nicht sehen, wer da anhält und musste auch aufpassen, nicht über den Haufen gefahren zu werden. Irgendwann landeten wir dann bei einem Trucker der nach Arizona unterwegs war und uns gleich mal erzählte wie bescheuert wir sind und was für ein Glück wir haben, bei ihm gelandet zu sein, da an der Stelle, wo er uns aufgegabelt hatte, vor zwei Wochen eine Frauenleiche gefunden wurde – vergewaltigt und aus dem Auto geworfen. Tja, war schon ein sehr beklemmendes Gefühl und wirklich Vertrauen hatte ich die ganze Zeit über auch nicht bis er uns 2 Stunden vor Veracruz an einem Busbahnhof rausschmiss und uns noch Geld für die Bustickets gab. Als ich dann endlich wieder im Hotel war, musste ich erstmal heulen, denn wir hatten knapp 2 Tage nicht geschlafen, gegessen und am Ende vergessen nach der E-Mail Adresse von dem netten Trucker zu fragen um uns nochmal richtig zu bedanken.

Teotihuacan 2007Die beiden Male mit Marlen – 2007 und 2008 – waren natürlich toll, weil man endlich jemanden dabei hatte mit dem man alle Eindrücke sofort teilen konnte und nun gemeinsam immer wieder davon schwärmen kann.

Was fasziniert dich so sehr an Mexiko? Und hast du dort einen Lieblingsplatz?

Merida 2008Was Mexiko ausmacht sind neben kulturellem Reichtum und landschaftlicher Schönheit natürlich die Menschen. Am faszinierendsten finde ich die unglaubliche Lebensfreude, Gastfreundschaft und den Optimismus der Menschen auch in schwierigen Zeiten. Die Mexikaner lieben ihr Land und haben Freude es auch anderen Menschen zu zeigen. Schon wenn ich mich im Landeflug über Mexico City befinde, ist es ein unbeschreiblich aufregendes Gefühl die vielen Lichter zu sehen, und dann – nach knapp 14 h Flug von einem lustigen Zollbeamten mit „Bienvenidos a México“ begrüßt zu werden ist einfach toll und man fühlt sich sofort zu Hause.
Jacarandas in CoyoacanMein absoluter Lieblingsplatz das wunderschöne Viertel Coyoacan in Mexico City. Bei meinem ersten Besuch in Mexiko war es ja auch irgendwie mein zu Hause da meine Tante dort wohnte … und ich könnte dort stundenlang durch die romantischen Gassen irren (nicht nur weil mein Orientierungssinn wirklich schlecht ist),  die alten Bäume bewundern und in die bunten Gärten schauen. Am Wochenende findet im Zentrum um den Coyotenbrunnen immer ein toller alternativer Markt statt – ein Paradies für Frauen die nicht genug Schmuck, Röcke etc. haben können. Außerdem steht in Coyoacan natürlich das Haus der Frida Kahlo und es gibt tolle Cafés und Cantinas…ach ja da fallen mir gleich schon wieder viele tolle Erlebnisse ein aber für heute soll erstmal Schluss sein.

Viva México – Eure Ireen