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Auf halbem Weg zum Himmel

Auf halbem Weg zum HimmelGestern Abend hatten wir uns für den Dokumentarfilm „Auf halbem Weg zu Himmel“ in der „Cinémathèque Leipzig“ verabredet. Um 20 Uhr ging es los und die frohe Sommerstimmung wich schon nach den ersten Minuten einer eher bedrückenden.

Über zwölf Jahre begleiteten die Regisseure Ulrich Miller und Andrea Lammers die Comunidad „La Aurora 8 de Octubre“ auf ihrem steinigen Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Am 5. Oktober 1995 wurde auf der Finka Xamán ein Massaker verübt. Die Opfer waren Rückkehrer aus Mexiko, die in Folge der Repression im Jahr 1982 aus ihrer Heimat flüchten mussten und 1994 mit der Hoffnung auf Frieden zurück gekehrt waren.

Ihnen war im Rahmen eines Abkommens, welches am 8. Oktober 1992 zwischen der guatemaltekischen Regierung und der CCPP, (Flüchtlingsverband aus Mexiko) geschlossen wurde, die Gründung Ihrer Gemeinde „Aurora 8 de Octubre“ zugesagt worden.

Massakerplatz Comunidad Aurora 8 de OctubreAm 5. Oktober 1995 bereiteten viele Menschen aus „Aurora 8 de Octubre“ ein Dorffest vor, um die Unterzeichnung ihrer Rückkehrvereinbarung am 8. Oktober zu feiern als man den Aufmarsch von Militärs bemerkte. Geschockt und verängstigt durch die Erlebnisse früherer Auseinandersetzungen  mit den Soldaten verlangte man nach Aufklärung für den Aufmarsch der Militärpatrouille doch die Soldaten liessen sich nicht beirren und drangen bis ins Zentrum der Comunidad vor. Viele Bewohner verlangten das sie die Waffen niederlegen sollten und Beschimpfungen wurden laut. Die Soldaten wurden umringt und plötzlich kam es zu Schüssen auf die wehrlosen Bewohner. Schließlich waren elf Mitglieder der Gemeinde einschließlich zweier Kinder tot und weitere 28 verletzt.

In schockierenden Bildern und Momentaufnahmen wird dann die offizielle Beweisaufnahme dargestellt – ein weiterer Schlag ins Gesicht für die Überlebenden, denn wie immer wird versucht zu verschleiern und viele Beweise werden schonungslos vernichtet und die Verantwortungsfrage bleibt ungeklärt.

Doch nun beginnt der Kampf der Bewohner für Aufklärung und Gerechtigkeit welcher sich über viele Jahre und Instanzen zieht und begleitet wird von Einschüchterungsversuchen, Bestechungen und Anfeindungen gegenüber den Dorfbewohnern. Fast zehn Jahre nach Einreichung der Klage wurden die Beschuldigten 2004 in dritter Instanz zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Nati_mit_TochterEs ist das erste Mal, das Überlebende eines Masakers in Guatemala (651 Masaker musste das kleine Land schon erdulden), Klage einreichen und vor ein Zivielgericht ziehen um ein Staatsverbrechen aufzuklären.

Der Film hat uns emotional sehr berührt und im Anschluss standen die Regisseure sowie Nati, eine Überlebende und Bewohnerin der Comunidad, für Fragen zur Verfügung. Dem Publikum und uns viel es schwer die Sprache wieder zu finden und wir wünschen der Gemeinde und ihren Bewohnern endlich die Ruhe und Frieden den sie verdient.

zum Trailer

Hintergründe auf Wikipedia

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2 Comments

  • Reply Dokumentarfilm zu Guatemala - “Auf halben Weg zum Himmel” - ULRATI Montag, 20. Juli 2009 at 18:30

    […] Momente in ihrem Dokumentarfilm fest. Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung könnt ihr im Blog von Mexico Mio und auf der offiziellen Seite des Dokumentarfilms […]

  • Reply Blog Mio-Tours - Filmreihe FOKUS GUATEMALA in Leipzig Mittwoch, 9. Februar 2011 at 17:58

    […] 29.11. um 20 Uhr läuft z.b. der Film “Auf halbem Weg zum Himmel“. Diesen tollen Film hatten wir uns schon im letzten Sommer in der Nato angeschaut. Es geht […]

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