Puebla individuell entdecken: Mein persönlicher Reisebericht zwischen Cantona, Cuetzalan und der Sierra Nororiental
AUTORIN
Ulrike
Hallo, ich bin Ulrike. Ich arbeite seit 2009 bei MEXICO MIO. Hier schreibe ich über Aktuelles und Besonderes aus Mexiko. Wenn ihr Fragen habt oder meine Reiseberatung in Anspruch nehmen möchtet, hinterlasst einfach einen Kommentar oder schreibt mir eine Email an ulrike@mexico-mio.de.
„Y si el mejor destino sería volver a lo simple?” – „Und wenn das höchste Ziel darin bestünde, zum Einfachen zurückzukehren?”
Diese rhetorische Frage stellte Miguel Alaya bei meinem Rundgang durch den bosque comestible, den nutzbaren Wald rund um sein Zuhause. In dem Wald wachsen Orangen, Bananen, Kaffee, Zimt, Pfeffer, Vanille, Medizinpflanzen und stattliche Edelholzbäume. Die Fläche wird nicht intensiv genutzt, sondern es ist ein harmonisches Miteinander der Arten. Der Mensch ist ein Teil davon. Hier findet ein Geben und Nehmen statt. Die Natur und der Lauf der (Jahres-) Zeiten bestimmen das Leben, es gibt nicht diese Eile, die wir in einer Großstadt erleben.
Während ich den Wald kennenlernte, hörte ich das Feuerwerk, das an einer kleinen Kapelle in der Nähe in den Himmel geschossen wurde. Auch das ist Teil der Lebensanschauung hier in der Sierra Nororiental de Puebla und Teil meines Reiseberichts zu einem Ausschnitt des authentischen Mexikos.
Cantona: Wo Wind, Pinien und Steine Geschichten erzählen

Die weitläufige und gut erhaltene Ausgrabungsstätte Cantona
Während ich die Stufen der Pyramiden von Cantona hochstieg, umgab mich eine herrliche Stille, die Sonne leuchtete mir den Weg und der Wind vertrieb trübe Gedanken und Heimweh.
Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass du die Ausgrabungsstätte allein durchstreifst. Sie ist trotz ihrer Trotz ihrer Größe und ihrer Bedeutung wenig bekannt und besucht. Bislang ist nur ein Bruchteil ausgegraben und erforscht. Schäfer treiben ihre Herden durch die überwucherten Reste der Stadt..
Cantona wurde vermutlich um 150 bis ungefähr 1000 n. Chr bewohnt. In ihren Blütejahren lebten hier ca. 80.000 bis 100.000 Einwohner. Cantona ist ein Beispiel für die erstaunliche Planung und Verwaltung mesoamerikanischer Städte. Sie umfasst 24 Ballspielplätze! Von einer der Hauptpyramiden genoß ich den Blick auf den markanten Cerro Pizarro und im Hintergrund auf den Pico de Orizaba, den Vulkan Sierra Negra sowie den Popocatépetl, Itzaccíhuatl und Matlecuayetl im Westen.
Neben den faszinierenden Geschichten, die die Steine erzählen, gefielen mir natürlich die stattlichen Pinien, die Agaven; ich begegnete Eidechsen, zwei sich paarenden Schlangen (!) und Vögeln.


Praktische Info zu Cantona
Cantona ist ca. 100 km von Puebla entfernt. Du musst mit einer reinen Fahrzeit von ca. 2,25 h rechnen. Ich empfehle dir die Fahrt im Mietwagen oder am besten im Rahmen einer geführten Tour.
Tagestouren werden meist ab/bis Puebla in Kombination mit der Kraterlagune Alchichica und dem Besuch einer ökologischen Farm mit Käseherstellung bei Tepeyahualco angeboten.
Nimm Sonnenschutz, ausreichend Wasser, aber auch Jacke und Schal/Tuch als Schutz gegen den Wind mit.
In der Nähe von Cantona gibt es das wunderschöne Haciendahotel Tepetlcalli.
Ich fuhr am Nachmittag weiter in das Puebla Mágico Cuetzalan; das sind nochmal ca. 90 km und 2,25 h reine Fahrtzeit.
Cuetzalan: Warum dieses Pueblo Mágico zu den schönsten Orten in Puebla gehört
Cuetzalan verzauberte mich mit kopfsteingepflasterten Gassen, einem romantischen Sonnenaufgang vor einer wunderschönen Bergkulisse und der lebendigen Nahua-Kultur und der totonakischen Kultur.
Letztere ist im Stadtbild immer präsent. Auf dem Sonntagsmarkt, der wöchentlich stattfindet, faszinierten mich die verschiedenen Produkte, um die Verkäufer und Käufer aus der Region handelten. Es gab Stände mit exotischen Früchten, mit Kürbissen, mit Rauchwerk, mit bunten Blumen, mit Vanille, mit Tüchern, mit toten Hühnern, eine quietschende Tortillamaschine, Stände mit Gürteln, mit Kerzen, mit Chilis – frisch oder getrocknet, mit T-Shirts, mit Gewürzen und vieles mehr.


Ich habe hier sehr gut gegessen, zum Beispiel im Restaurant “La Epoca de Oro” direkt gegenüber der Kirche, oder an einem Stand auf dem Sonntagsmarkt und ich war in einer altehrwürdigen Cantina “El Calate” Bier trinken. Das hat Spaß gemacht!
Begegnungen in der Sierra Nororiental: Die Stickerinnen und die Voladores
Mein Tagesausflug von Cuetzalan nach Yohualichan bleibt mir unvergesslich: Ich besuchte die Stickerinnen-Kooperative “Chiuanime”. Ich erinnere mich gern an den ansteckenden Humor von Doña Ceci, ihrer Tochter und Doña Mari. Sie haben sich ihr Lachen trotz des steinigen Wegs als Frauen in einer von Männern und Machismo dominierten Welt erhalten. Mit bewundernswerter Kraft haben sie kontinuierlich an ihrem Vorankommen gearbeitet und für ihre Emanzipation gekämpft. Und dabei haben sie nie die Gemeinschaft vergessen.
Ihre Stickereien sind wunderschön und sorgfältig erstellt.


Eine schöne Geschichte am Rande: Zur Tourismusmesse ITB in Berlin zog ich meine Bluse der Stickerinnen-Kooperation um Doña Ceci und Doña Mari an. Ein Aussteller aus Puebla auf der Messe erkannte das Muster aus seiner Heimat Cuetzalan wieder und wir plauderten über das wunderbare Pueblo Mágico, über Yohualichan und die Sierra Nororiental de Puebla. Die Stickmuster sind weit mehr als Dekoration – sie tragen die Identität einer Region in sich und werden von Menschen aus ihrer Heimat oft sofort wiedererkannt.
In vielen indigenen Gemeinden Mexikos – auch bei den Nahua und Totonaken in der Sierra Nororiental – haben Huipiles und bestickte Blusen mehrere Funktionen:
- Regionale Identität: Muster unterscheiden oft Dörfer oder Regionen.
- Kosmologische Symbole: Blumen, Sterne, Tiere oder geometrische Formen können Natur, Fruchtbarkeit oder Schutz symbolisieren.
- Gemeinschaftliche Zugehörigkeit: Kleidung zeigt, zu welcher kulturellen Tradition jemand gehört.
- Handwerkliches Erbe: Die Muster werden über Generationen weitergegeben.
Gerade Cuetzalan ist bekannt für Textilien mit Blumen- und Pflanzenmotiven, die die üppige Natur der Region widerspiegeln.
Als ich bei den Stickerinnen von Chiuanime war und den Erzählungen von Doña Ceci lauschen durfte, erweiterten sie gerade ihre Küche für die bei Besuchern beliebten Kochkurse. Sie haben zudem einfache Cabañas für Reisende, die sich in Ruhe in Yohualichan und bei den starken Frauen aufhalten möchten. Zum Beispiel um am wichtigsten Fest des Jahres zu Ehren der “Virgen del Carmen” am 15. und 16. Juli teilzunehmen.
Mich fragte Doña Ceci, ob ich mit in den Nachbarort zu Feierlichkeiten zu Ehren des Heiligen Rafael kommen wolle. Bei diesem Dorffest sah ich zum ersten Mal den Danza de los Voladores, der mich nachhaltig beeindruckt hat und an dem ich mich nicht satt sehen konnte.


Ich erhielt hier zudem spannende Einblicke in das „soziale Geflecht“ der Bevölkerung auf dem Land, das Jahrhunderte überdauert hat. Die Reziprozität und die sozialen Verpflichtungen sind für mich, weil ich in einer so stark individualisierten Gesellschaft lebe, erstaunlich. Für viele Ereignisse im Leben, sei es Taufe, Hausbau, Hochzeit etc., werden Patenschaften vergeben. Der Pate ist dann für mehrere Tage in die Vorbereitung des Fests involviert, beteiligt sich finanziell und ist auch im Vorfeld bei der Planung und Organisation eingebunden. Zu einer anderen Angelegenheit darf er dafür die Unterstützung der anderen erwarten.
So bleiben die Menschen untereinander vernetzt und in wechselseitigem Austausch sowie in Verbundenheit. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Unstimmigkeiten, Feindschaften und Ausgrenzungen gibt, denn das ist leider menschlich.
Ökotourismus zwischen Melipona-Bienen, Kaffee und traditioneller Küche
Doch zurück zu Miguel Alaya und seiner Comunidad Ecoturismo Esencia Rural Cuetzalan. Hier bekam ich auch Einblicke in die Kaffeeverkostung und in die Haltung der stachellosen Melipona-Biene. Du kennst das Thema vielleicht schon von meinem Reisebericht aus dem Maya Ka’an im Bundesstaat Quintana Roo. Miguel hält ebenfalls viele Völker der Bienenart. Zusammen mit der Universität erforscht er die medizinischen Anwendungsgebiete des Honigs. Nachgewiesen ist, dass er unter anderem entzündungshemmend und wundheilend wirkt – auch bei nicht heilenden Diabetes-Wunden. Miguels Engagement und sein Wissen sind beeindruckend!


Der wunderbare Tag wurde abgerundet von einem köstlichen Essen der lokalen Köchinnen: Kartoffelsuppe mit Blättern des Pfefferbaums, ein kräftigender Eintopf mit Schweinefleisch und duftendem Koriander, dazu frische Tortillas vom Comal. Du kannst mit den Frauen kochen und in diese verführerische Welt der poblanischen Gerichte eintauchen, wenn du hier einen Kochkurs besuchst.
Villa de los Vientos: Sie liegen mitten in der Natur, gegenüber der Stadt, mit einem traumhaften Blick über die Bergrücken der Sierra. Das Restaurant ist auch empfehlenswert.


Hotel Taselotzin: Es wird von einer Frauenkooperative betrieben. Die Zimmer sind einfach, sauber und mit hübschen Stickereien dekoriert.
Tonal: Eine kleine Herberge in der Stadt mit nur 3 Zimmern, einer gemeinschaftlich nutzbaren Küche und einer Dachterrasse mit Hängematte und Blick zu den umliegenden Bergketten..
Die rustikalen Cabañas bei Miguel und den Doñas sind für dich geeignet, wenn dir einfache Unterkünfte ausreichen und du in engem Kontakt mit den hier lebenden Menschen sein möchtest.
Wir aßen einmal Frühstück im Restaurant Balcon de Asis, das – wir der Name vermuten lässt – einen herrlichen Blick auf Cuetzalan und die Berge eröffnet. Der Kaffee ist ebenfalls sehr gut.
Im Ort gibt es das Restaurant Taol, das ebenfalls sehr gut sein soll. Ich habe es nicht ausprobiert.
Es fahren täglich einige wenige Direktbusse der Busgesellschaft Vía zwischen Puebla und Cuetzalan. Mit dem Mietwagen solltest du von Puebla Stadt ca. 4 h reine Fahrtzeit einplanen. Natürlich fährst du am sichersten und komfortabelsten, wenn du mit einem Guide und einem Fahrer anreist.
Rund um Cuetzalan gibt es viele weitere Ausflugsmöglichkeiten, zum Beispiel zu Wasserfällen, Höhlen und natürlichen Schwimmbecken. Da es in diesem Blogbeitrag um Begegnungen geht, habe ich diese Aktivitäten nicht erwähnt. Schreib mir, wenn du hierzu Tipps oder Anbieter brauchst.
Wenn dich dieser Reisebericht neugierig gemacht hat, plane ich gern gemeinsam mit dir eine maßgeschneiderte Reise durch Puebla – individuell, nachhaltig und mit genau den Begegnungen, die eine Reise unvergesslich machen. Genau solche Begegnungen stehen im Mittelpunkt unserer Reisen bei MEXICO MIO. Seit 2007 erstellen wir individuelle Mexiko-Reisen für Menschen, die das Land authentisch erleben möchten.
Vielleicht bleibt dir der Gedanke vom Beginn meines Artikels im Gedächtnis: Dass ein erfülltes Leben im Gleichgewicht mit der Natur und im Miteinander entsteht.
Dazu passende Blogbeiträge:
Die Sierra Norte in Puebla – Besondere Begegnungen in den Bergen Mexikos
Wie Maya-Gemeinschaften zu einem sanften Tourismus in der Region Maya Ka’an beitragen
Zwischen Schluchten und Stille: Wie ich Mexiko bei meiner Reise durch den Kupfer Canyon neu erlebte
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