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Die Folgen der Coronakrise für den Tourismus – ein Lagebericht von MEXICO MIO

Gestern demonstrierten Reisebüros und Reiseveranstalter in ganz Deutschland um auf ihre prekäre wirtschaftliche Situation und die schwarzen Zukunftsaussichten in der Branche aufmerksam zu machen. Marlen war auf dem Augustusplatz hier in Leipzig dabei und nahm zur Versinnbildlichung unserer Zukunftsängste einen Globus mit Trauerschleife mit. Dieser wurde natürlich von den Journalisten abgelichtet.
Uns fiel ein, dass der Globus schon einmal bei einem Pressebesuch bei uns im Büro eine Rolle gespielt hatte. Und zwar war im November 2009 als die Leipziger Rundschau über unsere damals 2 Jahre junge Veranstaltertätigkeit berichtete. Nun werden wir bald 13 Jahre alt und bangen um unsere Zukunft … wie sich der Lauf der Dinge doch ändern kann.

Wie ist unsere aktuelle Lage als Spezialreiseveranstalter für Mexiko und Lateinamerika?

Im März 2020 sind die letzten Reiseanfragen gekommen. Seitdem klingelt unser Telefon nur, wenn es um Umbuchungen und Stornierungen von Reisen nach Mexiko geht. Das Reiserecht sieht vor, dass Kunden bei einer Reisewarnung der Bundesregierung kostenlos stornieren können. Gerade wurde die weltweite Reisewarnung abermals um 6 Wochen bis 14. Juni 2020 verlängert. Das bedeutet für uns, dass wir die zumeist individuell zusammengestellten Reisen unserer Kunden für die nächsten Monate entweder stornieren und das bereits gezahlte Geld komplett an die Kunden rückerstatten. Oder dass wir die Leistungen auf einen späteren Zeitpunkt umbuchen.
Ersteres bedeutet, dass wir zweimal (einmal bei der Reiseplanung und nun bei der Stornierung) kostenlos gearbeitet haben. Zudem erstatten Airlines und unsere Vorortpartner derzeit in fast allen Fällen kein Geld, sondern sagen uns Gutscheine oder „Créditos“ zu.
Zweiteres, also wenn Kunden zum Umbuchen bereit sind, bedeutet ebenfalls unbezahlte Arbeit für uns. Aber wenigstens können wir mit der Reise in der Zukunft planen. Allerdings ist derzeit völlig unklar, wann die weltweite Reisewarnung aufgehoben wird.

Was wird aus meinem Sommerurlaub?

Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, gab gestern bei einem Interview im heute journal (29.4.2020) internationalen Fernreisen in naher und mittlerer Zukunft eine Absage. So schnell wird die international ausgerichtete Reisebranche also nicht wieder zum Laufen kommen. Das ist bitter, denn wir und viele andere Veranstalter haben natürlich etliche Sommerurlauber, denen wir wahrscheinlich bereits gezahlte Flüge und Anzahlungen zurückerstatten müssen.
Natürlich verstehen wir, dass derzeit keine Auslandsreisen möglich sind. Abgesehen vom Infektionsrisiko sind sowieso viele Länder wie z.B. Peru komplett für den Tourismus gesperrt.

Unsere Forderungen als Reiseveranstalter

Aber wir brauchen nun Soforthilfen der Bundesregierung, um diese finanzielle Belastung stemmen zu können. Seit März macht unsere Milliardenbranche 0 Euro Umsatz! Die Corona-Soforthilfe des Bundes ist für betriebliche Fixkosten wie z.B. Miete gedacht, aber nicht für die Rückzahlung von Kundengeldern.
Den Großen der Branche, z.B. der Lufthansa, wird geholfen. Doch wir möchten nicht auf die Vielfalt in der Reisebranche mit Spezialisten und Individualreiseveranstaltern sowie auf die persönliche Beratung durch Reisebüros verzichten! Auch die kleinen- und mittelständischen Unternehmen brauchen Rückenstärkung!

Zudem fordern wir eine klare Exit-Strategie der Bundesregierung. Die weltweite Reisewarnung kann nicht pauschal immer wieder verlängert werden. Wir möchten, dass alle Reiseländer differenziert angeschaut werden. Wie ist die Situation im jeweiligen Land bzw. in den touristischen Regionen? Das Auswärtige Amt und die Botschaften und Konsulate vor Ort haben die erste Mammutaufgabe, das Rückholen gestrandeter Deutscher, bewältigt. In Zukunft können sie bei der differenzierten Bewertung von Gesundheitsgefahren im Ausland helfen.

Als weitere Forderungen stehen ein Unternehmereinkommen für Reisebüros sowie der steuerliche Verlustnachtrag 2019/2020 zur Debatte.

So sehen wir das „Gutscheinthema“

Natürlich sind wir für Gutscheine, die von Kunden akzeptiert werden, sehr dankbar. Sie sichern uns ein Stück weit unsere aktuelle Liquidität. Und die Kunden können ihre Reiseträume garantiert zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Aber die Gutscheine sind ja eigentlich auch nur Kredite vom Kunden an uns. Und nicht jeder Kunde kann das leisten oder den Urlaub auf unbestimmte Zeit verschieben. Gleichzeitig sollte dieses Vertrauen der Kunden in uns Reiseveranstalter und der Wille zur Unterstützung abgesichert werden

AER als größter deutscher Verbund von Spezialreiseveranstaltern hat folgende Kampagne passend zu der Krisenlage ins Leben gerufen: https://www.ohnereisenkeinewows.de/ Nicht nur bil- und wortgewaltig umgesetzte Thema bereitet uns eine Gänsehaut. Wir freuen uns auch sehr, dass Konkurrenten zusammenarbeiten und sich nun eher als „Partner“ begreifen.

In diesem Sinne: Wir freuen uns auf den Tag, an dem wir wieder unterwegs sein können!

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